Saubere Sache: Wie Gackerl-Sackerl zu Fernwärme beitragen

100.000 Gackerl-Sackerl werden in Wien täglich entsorgt. Doch ihre Reise endet nicht im Mistkübel. Wir werfen einen Blick auf ihren weiteren Weg.
Aktualisiert am: 15.04.20265 Min. Lesezeit
Dackel sitzt in einem Karton und schaut hervor

„Nimm ein Sackerl für dein Gackerl“ – dieser Spruch gehört zu Wien wie das Riesenrad, der Stephansdom und die Spittelau. Was viele dabei nicht wissen: Die ordnungsgemäß entsorgten Hinterlassenschaften der Wiener Hunde tragen indirekt auch zur Energieversorgung der Stadt bei.

Denn die gefüllten Gackerl-Sackerl landen im Restmüll und somit in den Wiener Abfallverwertungsanlagen. Dort wird daraus, gemeinsam mit anderem Abfall, Fernwärme erzeugt.

Wärme, die sinnvoll weitergenutzt wird

Die bei der Abfallverwertung entstehende Energie bleibt also nicht ungenutzt. Sie wird in Form von heißem Wasser über das mittlerweile rund 1.300 Kilometer lange Wiener Fernwärmenetz zu 470.000 Haushalten sowie 8.000 Betrieben transportiert.

Dabei nutzt Fernwärme zunehmend Energiequellen, die ohnehin vorhanden sind – etwa Abwärme aus der Abfallverwertung und der Industrie, aber auch Biomasse und Geothermie. So trägt sie dazu bei, den Einsatz fossiler Brennstoffe zu verringern, und spart in Wien jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen CO₂ ein.

Fernwärme wird Schritt für Schritt klimafreundlicher

In den kommenden Jahren soll der Anteil erneuerbarer und wiederverwerteter Energie weiter steigen. Bis 2040 soll die Wiener Fernwärme vollständig ohne fossile Brennstoffe auskommen.

Ein Sackerl für eine saubere Stadt

Luftaufnahme von Wien, auf der die Donau zu sehen ist, die sich durch die Stadt schlängelt, Brücken, die die Stadtteile miteinander verbinden, hoch in den Himmel ragende Gebäude und Hügel im Hintergrund unter einem strahlend blauen Himmel.

Die Stadt Wien stellt im gesamten Stadtgebiet mehr als 3.900 Spender mit kostenlosen Hundekotsackerln bereit. Dieses Angebot wird von den Wiener Hundebesitzer*innen dankend angenommen: Mehr als 100.000 gefüllte Sackerl werden täglich ordnungsgemäß entsorgt. Das sind rechnerisch mehr als 6 Millionen Gackerl-Sackerl im Jahr.

Das Gackerl-Sackerl erfüllt zunächst eine ganz einfache Aufgabe: Es sorgt dafür, dass Hundekot nicht auf Gehsteigen, Wiesen, in Parks oder auf Spielplätzen liegen bleibt.

Das ist nicht nur angenehmer für alle Menschen, die in Wien unterwegs sind. Die rasche und gründliche Entfernung der Hinterlassenschaften reduziert auch gesundheitliche Risiken.

Hundekot kann Krankheitserreger und Parasiten enthalten, die über Schuhe, Pfoten oder direkten Kontakt weitergetragen werden können. In Wien müssen Hundehalter*innen den Hundekot deshalb sofort aufsammeln und in einem Mistkübel entsorgen.

Vom Mistkübel in die Abfallverwertung

Nach der Entsorgung beginnt der zweite Teil der Reise. Die gefüllten Sackerl werden gemeinsam mit anderem Restmüll abgeholt und zu einer Wiener Abfallverwertungsanlage gebracht.

Dazu zählen unter anderem die Anlagen Spittelau, Flötzersteig, Pfaffenau und Simmeringer Haide. Sie verwerten zusammen jährlich mehr als eine Million Tonnen Haus- und Gewerbemüll, Klärschlamm und Sonderabfälle. Aus dem nicht wiederverwertbaren Abfall entstehen Strom und Wärme für Wien.

Spittelau: Feuer und Flamme für Klimaschutz

Müllverbrennungsanlage Spittelau

Schon gewusst? Die Spittelau ist viel mehr als bloß eine herkömmliche Müllverwertungsanlage. Sie ist ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt Wien mit einer unglaublich faszinierenden Geschichte und verfügt über eine Fernkältezentrale, eine Photovoltaik-Anlage, eine Power2Heat Anlage, Urban Gardening, nistende Falken-Pärchen und ein neu gestaltetes Kundenzentrum, wo sich der Service Treff der Wiener Stadtwerke und unsere Erlebniswelt befinden.

Außerdem gibt’s dort den Erlebnispfad, der Besucher*innen über interaktive Stationen tiefe Einblicke in die Kreislaufwirtschaft und die wahrscheinlich schönste Müllverbrennungsanlage der Welt ermöglicht. Kostenlose Führungen entlang des Erlebnispfads sowie Werksführungen durch die Spittelau können ganz einfach online gebucht werden.

Candle-Light-Dinner in der Spittelau gewinnen

Wer die Spittelau einmal von einer besonders stimmungsvollen Seite erleben möchte, hat derzeit die Chance auf ein Candle-Light-Dinner für zwei Personen. Zu gewinnen gibt es eine exklusive Führung durch die von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Anlage und anschließend ein Drei-Gänge-Menü inklusive Weinbegleitung mit Blick über Wien. Die Teilnahme ist bis 30. September 2026 über „Meine Wien Energie“ möglich. Die Gewinner*innen werden per E-Mail verständigt.

So wird aus dem Gackerl Fernwärme

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    Ab in den Müllbunker

    In der Abfallverwertungsanlage wird der angelieferte Restmüll zunächst gewogen und in einem großen Müllbunker zwischengelagert. Dort vermischt ein Kran die unterschiedlichen Abfälle miteinander.
    Das Durchmischen ist wichtig, weil der Restmüll aus vielen verschiedenen Bestandteilen besteht. Manche davon sind feuchter, andere trockener. Durch die Mischung entsteht ein möglichst gleichmäßiger Brennstoff.
    Auch die Gackerl-Sackerl werden dabei gemeinsam mit dem übrigen Restmüll durchmischt. Anschließend transportiert ein Greifarm den Abfall zur Verbrennung.

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    Abfall wird bei hohen Temperaturen verbrannt

    In den Müllöfen wird der Restmüll bei Temperaturen zwischen 850 und 1.200 Grad Celsius verbrannt. Die hohen Temperaturen sorgen dafür, dass organische Bestandteile und Schadstoffe sicher behandelt werden.
    Die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase durchlaufen mehrere Reinigungsstufen. Nicht brennbare Bestandteile wie Glas, Keramik, Steine oder Metalle bleiben als Rückstände zurück. Verwertbare Metalle können anschließend aus der Schlacke zurückgewonnen werden.

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    Heiße Rauchgase erzeugen Strom und Wärme

    Die bei der Verbrennung entstehenden heißen Rauchgase erhitzen Wasser in Rohrleitungen. Dabei entsteht heißer Dampf.
    Ein Teil dieses Dampfes treibt eine Turbine und einen Generator an. Auf diese Weise wird Strom erzeugt. Die verbleibende Energie wird über Wärmetauscher zur Wärmeproduktion genutzt und in das Wiener Fernwärmenetz eingespeist.
    Über unterirdische Leitungen gelangt die Fernwärme anschließend zu Wohnungen, Betrieben und öffentlichen Gebäuden. Dort wird sie für die Raumheizung und die Warmwasserbereitung genutzt.
    Alle vier Wiener Abfallverwertungsanlagen erzeugen gemeinsam jährlich rund 1,8 Millionen Megawattstunden Fernwärme. Allein die Spittelau produziert pro Jahr rund 500 Gigawattstunden Wärme und 60 Gigawattstunden Strom.

Wie viel Wärme liefern Wiens Hunde?

In Wien leben rund 60.000 registrierte Hunde. Ihre Hinterlassenschaften ergeben über das Jahr hinweg eine beachtliche Menge: Schätzungen zufolge produzieren sie rund 3.960 Tonnen Hundekot pro Jahr.

Ein großer Teil davon wird mithilfe der Gackerl-Sackerl ordnungsgemäß im Restmüll entsorgt. Mehr als 100.000 landen täglich in den Wiener Mistkübeln und werden anschließend gemeinsam mit anderen Abfällen thermisch verwertet. Um diese Menge greifbarer zu machen: 3.960 Tonnen entsprechen ungefähr dem Gewicht von neun vollbesetzten Jumbojets!

Zwei gelbe Tüten, von denen eine die Form eines Hundekots hat und die andere mit Flugzeugsilhouetten gefüllt ist, sind vor einem hellvioletten Hintergrund abgebildet – ein spielerischer Vergleich der Menge an Hundekot mit dem Gewicht von 9 Jumbojets.

Wie viel Energie im Hundekot steckt, hängt vor allem von seinem Wassergehalt ab. Frischer Hundekot besteht typischerweise zu 70 bis 80 Prozent aus Wasser und besitzt daher einen vergleichsweise niedrigen Heizwert. Bis zur thermischen Verwertung kann das Material jedoch bereits einen Teil seiner Feuchtigkeit verlieren.

Für eine überschlägige Berechnung wird deshalb ein Heizwert von 3,3 Kilowattstunden pro Kilogramm angenommen. Daraus ergibt sich für die geschätzte Jahresmenge ein theoretisches Energiepotenzial von rund 13 Millionen Kilowattstunden beziehungsweise 13,068 Gigawattstunden.
Eine durchschnittliche Wiener Wohnung hat ein jährlicher Wärmebedarf von rund 10.000 Kilowattstunden. Unser errechnetes Energiepotenzial entspricht also dem Jahreswärmebedarf von etwas mehr als 1.000 Wohnungen.

Fazit: Kleines Geschäft, großer Kreislauf

Ein aufgehobenes Gackerl hält zunächst den Gehsteig oder die Wiese sauber. Richtig entsorgt, wird es anschließend Teil der Wiener Abfall- und Energiekreisläufe.

Damit tun Hundehalter*innen gleich mehrfach etwas Gutes: Sie sorgen für ein sauberes Stadtbild, helfen bei der Eindämmung von Krankheitserregern und stellen sicher, dass der Restmüll ordnungsgemäß verwertet werden kann und vorhandene Energie nicht ungenutzt bleibt.

So heizen Wiens Hunde auf ihre ganz eigene Art indirekt ein.

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